Wirkmechanismus
Die genaue Wirkungsweise von Closantel ist noch nicht endgültig aufgeklärt. Bis vor einiger Zeit galt die Entkopplung der oxidativen Phosphorylierung als Hauptwirkung der Salicylsäurederivate. Neuere Untersuchungen zeigen, dass Closantel in verschiedene Membran-assoziierte Mechanismen des Parasitenorganismus, einschliesslich dem Ionen- und Flüssigkeitstransport, eingreift. Möglicherweise ist die Entkopplung der oxidativen Phophorylierung nicht die primäre Wirkung, sondern die sekundäre Folge dieser Membraneffekte (
Rothwell 1996a).
Entkopplung der oxidativen Phosphorylierung
Closantel ist ein Proton-Ionophor und wirkt unter anderem über die Entkopplung der oxidativen Phosphorylierung. Dadurch kommt es zu einer Verarmung an ATP, was schliesslich zum Absterben der Parasiten infolge Energiemangels führt (
Ungemach 2003g;
Hennessy 1997a). Als Proton-Ionophor ist Closantel sehr lipophil und transportiert Protonen durch Membranen, insbesondere durch die innere mitochrondriale Membran. Durch diesen Transport von Protonen aus den Mitochrondrien kommt es zur Entkopplung der oxidativen Phosphorylierung (
Martin 1997a).
Verminderung der Glucose-6-Phosphat-Konzentration
Da dem Abfall des ATP-Spiegels auch eine verminderte Konzentration von Glucose-6-phosphat vorangeht, besteht des Weiteren die alternative Vermutung, dass der initiale Effekt von Closantel nicht die oxidative Phosphorylierung betrifft, sondern die Glykolyse, bei der aus Glucose unter Verbrauch von ATP Glucose-6-Phosphat entsteht (
Fairweather 1999a).
Abfall des pH-Wertes des Teguments
Des Weiteren kommt es nach Applikation von Closantel bei Schistosoma mansoni und Fasciola hepatica zu einem Abfall des pH-Wertes im Tegumentum. Dies geschieht bereits nach 10 Minuten, somit bevor es zu einem Absinken der ATP-Konzentration kommt. Der Abfall des intrategumentalen pH-Wertes führt zu einer Reduktion der Motilität des Parasiten (
Martin 1997a).
Das Absinken der Glucose-6-phosphat-Konzentration könnte auch durch die Ansäuerung des Teguments verursacht werden. Bereits bei einer Closantelkonzentration von 0,66 µg/ml kommt es zu einem schnellen (innerhalb von 10 - 20 min) Abfall des intrategumentalen pH-Wertes und einer Verminderung des Membranpotentials (
Fairweather 1999a).
Neurotoxische Wirkung
Es wird ausserdem angenommen, dass Closantel eine signifikante neurotoxische Wirkung besitzt, welche zu einer spastischen Paralyse und somit zu einer Ablösung des Parasiten von der Nährstoffquelle und zum Verhungern führt (
Hanna 2006a).
Wirkungsdauer
Aufgrund der langsamen Ausscheidung von Closantel ist Wirkungsdauer sehr lang. So sind Schafe nach einer einmaligen, oralen Applikation von 7,5 mg/kg unter tropischen Bedingungen mindestens 4 Wochen vor einer Reinfektion mit Haemonchus contortus geschützt. Bei Ziegen besteht unter tropischen Bedingungen nach einer oralen Applikation von 10 mg/kg ein ca. 3-wöchiger, nach subkutaner Injektion von 5 mg/kg ein ca. 4-wöchiger Schutz vor einer Reinfektion (
Dorny 1994a).